Es wurde noch einmal ein herrlicher Spätsommertag, als wir vom Café Schubeck zur Rabenmoosalm aufbrachen. Michael und Armena fuhren das Essen mit dem Auto hoch. Da Michi und Meike wie die Weltmeister eingekauft hatten, Christine das Essen vom Vorjahr und Armena Biofleisch und Würstchen mitbrachten, fand die nächsten Tage das große Fressen statt.

Unsere erste Brotzeit machten wir bei Sonnenschein vor der Hütte. Danach richteten wir uns in der großen und sehr behaglichen Hütte ein. Ich war glücklich wieder hier zu sein, so dass ich gleich eine Bergwanderung machte. Nicht ganz auf den Zinnkopf, aber bis zu der Stelle, wo man einen phantastischen Blick auf die Alpenlandschaft mit Rauschkopf und Kaisergebirge im Süden und dem Chiemsee im Norden hat. Als ich zurückkam, lag Meike im Gras, Armena saß an der Feuerstelle und Christine und Elisabeth kochten Kaffee, den wir zusammen an der Lagerfeuerstelle tranken. Am ersten Tag schrieben wir noch wenig, denn wir hatten uns so viel zu erzählen. Wir redeten, bis wir todmüde in unsere gemütlichen Kojen sanken. Jetzt im Oktober war es allerdings recht frisch in den Schlafzimmern.

Am nächsten Morgen wurde es ernst. Mein Vorschlag einige Kreativübungen mit Trommel, Musik, Malen und Meditation zu machen, um besser in den Schreibflow zu kommen, wurde mit einem gewissen Misstrauen aufgenommen. Vielleicht fürchtete man, kostbare Zeit zu verschwenden, denn vier Tage gehen ja schnell vorbei. Trotzdem ließen sich dann alle auf das Experiment ein. Zum Glück sind Autoren ja neugierig. Außerdem half mir die Sonne, die uns während der Übung erwärmte. Danach herrschte einige Stunden Schreibstille. Der köstliche Duft von gegrilltem Fleisch bereitete dem Schreiben ein Ende, das Armena und Michi auf dem Grill zubereitetet hatten.

An den Abenden fand stets ein Austausch über unsere Schreibprojekte statt. Den Anfang machte Christine, die uns eine Passage aus ihrem neuen Frauenroman überraschte. Sie handelte von einer Affäre einer Hippietochter mit ihrem Chef und war wirklich komisch und witzig, absurd und schräg.

Elisabeth berichtete von einem Krimi, den sie plant zu schreiben. Es klang sehr spannend, was sie uns davon erzählte. Er spielt im Bankenmilieu und handelt von einer Familie, die alle irgendwie in einer kriminellen Tat verstrickt sind. Dieses Drama verstand Elisabeth ein einem Bild mit kräftigen Farben darzustellen.

Armena und ich sprachen von unseren Projekten, die zwar sehr unterschiedlich sind, aber in der Thematik gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen. Armena schreibt von einer jüdischen Frau nach dem zweiten Weltkrieg in Wien. Ich empfahl ihr, ihrer Figur autobiografische Züge zu geben. Mein Projekt handelt ebenfalls von der Vergangenheit, von der Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen. Michi fehlt im Moment die Zeit zum Schreiben und hielt sich deshalb eher zurück. Dafür erfreute uns Meike am letzten Abend mit einer Kurzgeschichte, die sie an einem Tag niederschrieb. Diese Liebesgeschichte hat wie andere Geschichten von Meike einen feinen Humor, gepaart mit einer Spur Melancholie. Die erotische Beziehung ist nur angedeutet, was der Geschichte eine besondere Spannung verleiht.

Leider gingen die vier Tage auf der Rabenmoosalm viel zu schnell vorbei. Nachdem am Samstag das Wetter von Sommer auf Winter kippte, saßen wir alle um den sehr funktionsfähigen Kachelofen herum und schrieben. Gerade schlechtes Wetter ist zum Schreiben sehr geeignet. Und am Sonntag ging es leider nach Frühstücken und Aufräumen bei strömenden Regen schon wieder ins Tal. Die Natur hat uns inspiriert und uns den nötigen Schwung für unser Schreiben gegeben. Sie gibt zugleich die nötige Ruhe, die man zum Schreiben braucht. Natürlich stärkt auch die Gemeinschaft von Gleichgesinnten.

Nur die Talfahrt bei strömenden Regen tat dem einzigartigen Naturerlebnis auf der Hütte einen gewissen Abbruch. Nur kann man das Wetter nicht bestellen. Die Natur hat ihr eigenes Auf und Ab. Genau wie das Schreiben.

Sabine Rosenberg, am 19.10.2020

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