Mick Saunter

saunter, to (ˈsɔːn.tər) – to walk in a slow and relaxed way, often in no particular direction

„Ich bin in meinem Leben nur ein oder zwei Menschen begegnet, welche sich auf die Kunst des Gehens verstanden, die sozusagen eine Begabung für das Schlendern besaßen; ein Wort, dessen englische Form sauntering sich in schöner Weise ableitet ‚von den Müßiggängern, die im Mittelalter durch die Lande zogen und unter dem Vorwand, à la Sainte Terre, ins heilige Land zu ziehn, um Almosen baten‘, bis die Kinder bei ihrem Anblick riefen: ‚Da kommt ein Sainte-Terrer‘, ein Saunterer, ein Pilger auf dem Weg ins Heilige Land.“

Aus: Vom Glück durch die Natur zu gehen, von Henry David Thoreau

Durch und durch Skorpion aus dem Jahr 1957 und gebürtig aus Wuppertal verbrachte ich dort – in der Stadt der Schwebebahn, der Heimat von Else Lasker-Schüler, Friedrich Engels und Pina Bausch, zwischen dem bodenständigen Bergischen Land und dem pulsierendem Pulsschlag des Ruhrgebiets – den Großteil meines Lebens. Ich war Eisenwarenkaufmann, fuhr Lkw und schraubte in einer Autowerkstatt. Lernte das Tischlerhandwerk und baute Möbel, studierte Holztechnik und plante über viele Jahre Läden in ganz Deutschland. Viel später im Leben und auf der Suche nach dem was der wirkliche Sinn meines Leben sei lernte ich eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung kennen. Beeindruckt von der Lebensfreude dieser besonderen Menschen fing ich dort kurzentschlossen an: Bildete mich weiter, arbeitete in Werkstätten mit psychisch behinderten Menschen und leitete die Arbeitstherapie in einer Suchthilfeklinik. Lebte in Schleswig-Holstein als Heimleiter und Hausvater einer Lebens- und Arbeits-Gemeinschaft zusammen mit behinderten Menschen unter einem Dach, und fand schließlich in Oberbayern meine Wahlheimat. Mit der Frau meines Lebens lebe ich in einem kleinen Dorf am Chiemsee, meine beiden Töchter haben ihre Lebensorte gar nicht so weit weg von uns gefunden. Ich liebe Motorräder, schraube an Fahrrädern, singe manchmal und koche gerne und – gar nicht mal so schlecht.

Geschrieben hab ich immer schon: Mal was in der Grundschulzeit, mal in der Pubertät, und hin und wieder mal was als Erwachsener. Nur für den Hausgebrauch, einfach so. Nebenbei. Aber so, wie ich es mir als Jugendlicher immer wieder in den phantastischsten Farben ausgemalt hatte später zu tun – nämlich als Lebensinhalt: Nie. Erst mit 56, als ich anfing meine persönliche Vergangenheit schriftstellerisch aufzuarbeiten erkannte ich, dass das ja eigentlich nichts anderes war als das, was ich mein ganzes Leben lang schon immer besonders gut konnte: Beobachten. Gedanken aus der Luft fischen. Ideen und Geschichten darum zu spinnen. Jemand davon zu erzählen.

Und so – fing es halt doch an: Das Schreiben. So lange hatte es eben gebraucht, bis es wirklich bei mir angekommen war!

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