Pressebericht vom Verein der Chiemgau-Autoren e.V.
Veranstaltung vom Montag, 25.06.2018 in Traunstein
Ein Pressebericht von Heidi Merkel

Das hundertste Literaturtreffen der Chiemgau Autoren im Studio 16 hatte es wieder in sich! Beim Lesen nach Los wurden Nora Berger und Rudolf Rinner gezogen, die angemeldete Lesung hielt Heidi Merkel. Ihre Geschichte „Dornröschen 2.0“ erzählt das Leben des Alter Egos der schlafenden Schönheit, einer fiktiven Zwillingsschwester, die der König wegbringen ließ, ins nächste Dorf zu einfachen Leuten, weil das Kind so hässlich war. „Als es fünfzehn Jahre alt war, nannte es sich Dornböschen, war aufmüpfig und hatte einen dunklen Damenbart, trank wie ein Kerl, aber vertrug nicht so viel und wurde Jahr um Jahr schwanger von windigen Prinzen, die vor der Dornenhecke zurückschreckten und stattdessen lieber eine kurzweilige Nacht im ‚Chez Dornböschen‘ verbrachten …“, wie so ein böses Märchenleben ausgehen würde, liegt auf der Hand – wenn die Autorin nicht Heidi Merkel wäre, die das Dornböschen (und ihre Zuhörer) in sieben Minuten vom einfachen Wirtshaus am dornenumrankten Schlossberg nach ein paar Schönheitsoperationen bis ins Rampenlicht Hollywoods und wieder zurück ins Dorf zu einem glücklichen Ende brachte.

Die Erfolgsautorin Nora Berger las den Prolog aus ihrem Roman „Die gefährlichen Intrigen des Marquis de Cinq-Mars“, der im 17. Jahrhundert am Hofe Ludwig XIII spielt. Mit großer schriftstellerischer Ausdruckskraft wird das dramatische Ende einer aufgedeckten Verschwörung beschrieben. Zitat: „Wer hätte das gedacht? Der junge, elegante Schönling, dem Frauen und Männer gleichermaßen zu Füßen lagen, der mit seinem Charme nicht nur den König, sondern auch alle Welt bezauberte, wurde hier tatsächlich zum Schafott geführt. Schmerzlich berührt schloss die berühmteste Kurtisane von Paris die Augen. Sie hatte ihn geliebt und …“. Man hätte die berühmte Stecknadel auf den Boden fallen hören können, so gebannt lauschten die Zuhörer der Beschreibung einer Zeit, in der Schönheit und Glanz von Gräuel und Schrecken abgelöst wurden. Weitere Informationen über das umfangreiche Werk von Nora Berger sind auf der Homepage www.nora-berger.info zu finden.

Der dritte Lesende des Abends war Rudolf Linner, der mit einem Ausschnitt aus einem Märchen das Publikum in ein verwunschenes Haus entführte, in der ein Zauberer Kindern Wünsche erfüllt werden, aber nur bescheidene Wünsche. Ist ein Wunsch zu unbescheiden, kann es passieren, dass sich das Gewünschte ins Gegenteil verkehrt. Rudolf Linner schreibt Theaterstücke, Tatsachenromane und Kinderbücher. Seine Biographie „Eine Kindheit in Dachau“ ist die Ausgangsbasis für zahlreiche Vorträge vor Schulklassen und Jugendorganisationen, in denen er eindringlich vor rechter Radikalisierung warnt.

Die Moderation des Abends machte Michael Inneberger auf gewohnt charmante Weise, sein Vortrag zum 100. Treffen fasste einen Teil der vielfältigen Aktivitäten der Chiemgau Autoren zusammen, seien es Teilnahmen an den Chiemgauer und Oberbayrischen Kulturtagen, die vergangenen vierzehntägigen Lesungen im Seniorenheim Priental, Radio-Lesungen auf der Bayernwelle Südost und weitere aktuelle ehrenamtliche Projekte im Bereich der Literaturförderung, wie eine regelmäßige Schreibwerkstatt oder eine „wandernde“ Bücherkiste. Aus der Vorstellung der Geburtstagskinder des 25. Juni (Ingeborg Bachmann und George Orwell) machte er ein Ratespiel, an dem sich alle Anwesenden gerne beteiligten. Nach einer Retrospektive auf die letzte Schreibwerkstatt auf der Rabenmoosalm wies er darauf hin, dass im Studio 16, am 23. Juli um 20 Uhr, Teil 1 der Kooperation zwischen den Chiemgau Autoren e.V. und dem Kunstverein Traunstein im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage „Trotz.Kollaps.Schreiben“ vorgestellt wird. Teil 2 findet am Donnerstag, 26.07.2018 um 19 Uhr im Lokal „Vickie´s Chat & Chill“ im Rahmen der Trostberger Büchertage statt. Alle Kunst- und Kultur-Interessierten sind herzlich dazu eingeladen! Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der Chiemgau-Autoren finden sich auf www.chiemgau-autoren.de.

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